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DEUTSCHORDENSMUSEUM MIT EINER GLANZVOLLEN GESCHICHTE

Residenzschloss Mergentheim

Residenzschloss Mergentheim, Mörike-Kabinett; Foto: Staatsanzeiger für Baden-Württemberg GmbH & Co. KG, Cornelia Lindenberg
Aus dem Alltag eines Dichters

Mörikes Haushaltungsbuch

Ab 1844 wohnte Eduard Mörike zusammen mit seiner Schwester Klara in Bad Mergentheim. Vom Alltag des Dichters zeugt sein Haushaltungsbuch mit allen Einnahmen und Ausgaben. Das Besondere daran: viele kleine Zeichnungen, die Geschichten erzählen. Das Haushaltungsbuch ist heute im Mörike-Kabinett zu sehen.

Residenzschloss Mergentheim, Mörike-Büste von Adolf Donndorf, um 1890; Foto: Staatsanzeiger für Baden-Württemberg GmbH & Co. KG, Cornelia Lindenberg

Büste von Eduard Mörike, um 1890, ausgestellt im Mörike-Kabinett des Deutschordensmuseums.

Zahlen und Zeichnungen

Haushaltungsbücher waren zu Zeiten Mörikes nicht weiter außergewöhnlich. Sie wurden genutzt, um den Überblick über die Finanzen zu behalten. Auch Eduard Mörike (1804–1875) und seine Schwester führten ein solches Buch. Das Besondere: Mörike verzierte dieses sonst so gewöhnliche Buch mit kleinen Zeichnungen. Diese liefern genau ein Jahr lang, vom 24. Januar 1846 bis zum 24. Januar 1847, Kommentare zu seinen alltäglichen Erlebnissen und Befindlichkeiten. Zu dieser Zeit wohnten er und seine Schwester am Marktplatz im Haus des Oberstleutnants a.D. Valentin von Speeth, dessen Tochter, Margarethe, er 1851 heiratete.

Residenzschloss Mergentheim, Seite aus dem Haushaltungsbuch Mörikes; Foto: Holger Uwe Schmitt

Ein Blick in das Haushaltungsbuch.

Ausflüge, Ereignisse und Befindlichkeiten

Die kleinen Bilder aus dem Alltagsleben Mörikes liefern Hinweise auf Ausflüge, Begebenheiten und Kaffeetafeln für kleine Gesellschaften. Scherze, Geschenke, Gefühle und Befindlichkeiten treten daraus anschaulich hervor. Durch diese außergewöhnliche Art der Buchführung haben sich biographische Details seines Lebens in Bad Mergentheim erhalten, die ansonsten für die Nachwelt verloren gewesen wären. Anlässlich der 100-Jahrfeier seines Geburtstages stiftete Mörikes Tochter Fanny Hildebrand 1904 der Städtischen Altertumssammlung das Werk.

Residenzschloss Mergentheim, Haushaltungsbuch August 1846; Foto: Deutschordensmuseum, Elfriede Rein
Residenzschloss Mergentheim, Haushaltungsbuch Dezember 1846; Foto: Deutschordensmuseum, Elfriede Rein
Residenzschloss Mergentheim, Haushaltungsbuch März 1846; Foto: Deutschordensmuseum, Elfriede Rein

Impressionen aus dem Alltag: links Personen am Kurbrunnen, in der Mitte eine Frühstücks- oder Kaffeetafel, rechts der Briefleser.

Residenzschloss Mergentheim, Mörike-Kabinett, Zeichnung; Foto: Staatsanzeiger für Baden-Württemberg GmbH & Co. KG, Anja Stangl

Eine Zeichnung Mörikes entschlüsselt.

Die Welt Mörikes entschlüsselt

Seit sich Mörikes Haushaltungsbuch in Bad Mergentheim befindet, wird es immer wieder wissenschaftlich untersucht: Mit Hilfe anderer Quellen, beispielsweise Briefen von und an Mörike oder Kalenderheften, hat die Forschung das Haushaltungsbuch von Mörike lesbar gemacht und die Bilderrätsel des Dichters entschlüsselt. Diese Ergebnisse sind in immer neuen Ausgaben publiziert worden. Die jüngste Ausgabe wurde gemeinsam vom Deutschen Literaturarchiv Marbach und dem Verein Deutschordensmuseum herausgegeben.