Liebevoll und vertraut DIE SPITALMADONNA

Maria hält das Jesuskind auf ihrem Arm. Liebevoll und vertraut schauen sich beide Figuren in die Augen. Die Spitalmadonna zeigt eine innige Mutter-Kind-Szene, die auch rund 750 Jahre später noch berührt. Für die Ritter des Deutschen Ordens war die Gottesmutter weit mehr als eine Heilige.

Residenzschloss Mergentheim, Sandstein-Madonna

Als Mutter Gottes kam Maria eine besondere Verehrung zu.

MARIA ALS SCHUTZPATRONIN

Maria war die Schutzpatronin des Deutschen Ordens. Auf die besondere Bedeutung der Heiligen für den Ritterorden deutet der vollständige Name „Orden der Brüder vom Deutschen Hospital Sankt Mariens in Jerusalem“ hin. Die Ordensritter verehrten die Gottesmutter als „howbtfrowe“ und „beschirmerinne“. Im Residenzschloss Mergentheim findet sich eine besondere Darstellung der Gottesgebärerin aus dem Mittelalter: Sie zeigt Maria und das Jesuskind einander innig und voller Liebe zugewandt.

Residenzschloss Mergentheim, Sandstein-Madonna

An der mittelalterlichen Skulptur sind bis heute Spuren einer Bemalung zu sehen.

EINE SKULPTUR DER FRÜHGOTIK

Die gefühlvolle Darstellung der Maria mit Kind wurde wahrscheinlich um 1280 geschaffen – darauf weisen zumindest frühgotische Stilmerkmale hin: Die Figuren wirken nicht steif, sie sind einander in Bewegung zugeneigt. Der Faltenwurf ist an der Seite naturnah in V-Form gestaltet und vorne leicht schräg verlaufend. Als Auftraggeber für die Plastik kommen der Deutsche Orden, aber auch der Johanniterordner in Frage. Der heute als Malteserorden bekannte Orden ließ noch vor dem Deutschen Orden in Mergentheim nieder.

DER WEG INS RESIDENZSCHLOSS

Die Plastik fand erst spät ihren Weg ins Residenzschloss Mergentheim. Ihr genauer Aufenthaltsort durch die Jahrhunderte ist nicht abschließend zu klären: Zuletzt zierte die berührende Mariendarstellung mit Kind das Heilig-Geist-Spital, das Mitte des 14. Jahrhunderts gegründet wurde, Dort befand sie sich in einer Außennische der Martinskapelle, die 1740/1741 errichtet wurde. Zuvor stand die Figur möglicherweise in der inneren Kapelle des Hospitalhofs.

Residenzschloss Mergentheim, Sandstein-Madonna

Das Jesuskind fasst die Hand seiner Mutter und lächelt sie an.

EINE SKULPTUR DER FRÜHGOTIK

Maria ist eine außergewöhnliche Heilige. Als Mutter Gottes wurde sie wie keine zweite verehrt. In allen Nöten riefen Gläubige sie um Beistand an, unternahmen Wallfahrten oder stifteten kunstvolle Gemälde und Figuren. Die Ritter des Deutschen Ordens beschränkten sich jedoch nicht allein auf die liebevolle Verehrung Marias: An der Ostsee regierte sie im Spätmittelalter ein eigenes Herrschaftsgebiet. Preußen galt ihnen als „der mutter gotes erbland“ – und damit als rechtmäßiger Besitz der „Marienritter“.

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